Trommeln und Fußball spielen
Esslingen: Afrika-Tag der VHS im Dick lockt nur wenig Besucher
Es duftete nach Weihrauch und geröstetem Kaffee. Im
Untergeschoss des Dick, auf der Piazza, bereitete Shewa Tewolde
Kaffee nach Art ihrer eritreischen Heimat zu. Wenige Meter neben ihr
johlten junge Männer am Tischkicker, der Weltladen bot Produkte aus
afrikanischen Ländern an und der Wendlinger Verein Takathemba -
Zukunft für Kinder in Südafrika informierte über Hilfsprojekte. Der
Afrika-Tag der VHS am Samstag sollte über den schwarzen Kontinent
informieren und Einblicke in die dortige Kultur geben. Die Resonanz
darauf war relativ bescheiden.
Von Gesa von Leesen
„Afrika ist ein schwieriges Thema“, meinte Bernhard Wiesmeier,
Fachbereichsleiter für Gesellschaft und Leben an der VHS. „Die
meisten Leute denken dann sofort an all das, was dort nicht
funktioniert.“ Dem sollte dieser Tag andere Eindrücke
entgegensetzen. So wollte man mit Tanz- und Trommelworkshops einen
wichtigen Teil der Kultur Afrikas vorstellen. Doch auch bei diesen
Workshops war die Nachfrage mit drei bis fünf Teilnehmern recht
zurückhaltend. Relativ gut besucht war die Bar, an der der
Eritreische Verein für Essen und Trinken sorgte. Leyla spielte mit
ihrem Vater Saied Yehdego das Brettspiel Gobeta. „So heißt es bei
uns in Eritrea, also in Ostafrika“, erklärte der Vater. „In
Westafrika heißt es Aware.“ Kugeln wanderten von einer Kuhle in die
nächste, die zehnjährige Leyla war flink dabei. „Gewonnen!“ rief sie
und sammelte die restlichen Kugeln ein. Vorher hatte sie mit Vivien
das große Afrika-Puzzle gelegt. Sämtliche Länder des riesigen
Kontinents mussten richtig zusammengefügt werden. „Ganz schön
schwer“, fand die neun Jahre alte Vivien. „Obwohl ich das manchmal
auch zu Hause mache.“ Nein, sie sei noch nie in Afrika gewesen.
Leyla dagegen hat bereits die Heimat ihres eritreischen Vaters
besucht: „Das beste waren die Palmen auf der Straße. Und das Meer.“
Am meisten los war an den drei Tischkickern, an denen die
Fußball-WM vorab ausgetragen wurde. Das war jedenfalls die Idee. Da
sich aber nicht genügend Teilnehmer gemeldet hatten, musste die
Teamzahl auf elf reduziert werden. Denjenigen, die eifrig an den
Griffen drehen, war das egal. Sie spielten engagiert für ihr Land –
Weltmeister wurde schließlich Chile, gefolgt von Italien und
Uruguay. Wichtig bei diesem Turnier: viele Tore. Denn pro Tor gaben
Eßlinger Unternehmen einen Euro für ein Kinderhilfsprojekt in
Südafrika, das vom Verein Takathemba unterstützt wird.
So waren auf der Dick-Piazza eigentlich nur zwei afrikanische
Länder präsent: Eritrea und Südafrika. Mit Trommeln, Tanzen,
Fußball, Schnitzereien, Perlenketten und Spenden-Sammeln wurden alle
Klischees bedient. Vielleicht war das Thema Afrika doch etwas zu
groß gewählt.
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