Basis bestätigt Kreisvorstand und revoltiert gegen Bundespartei

Kirchheim: CDU-Kreisparteitag für Abschaffung der Erbschaftssteuer und Wiedereinführung der Pendlerpauschale

Teckbote – Nürtinger Zeitung – Eßlinger Zeitung 10.10.08

 

Lange Gesichter bei der Landtagspräsidentin Christa Vossschulte und dem baden-württembergischen Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten Wolfgang Reinhardt: Knapp aber eindeutig votierte die Mehrheit des CDU-Kreisparteitages für die Abschaffung der Erbschaftssteuer und die Wiedereinführung der Pendlerpauschale. Damit stellte sich die CDU des Kreisverbandes Esslingen gegen die Linie der Bundespartei.

Von Gesa von Leesen

 

Kirchheim: Bis zu diesem Zeitpunkt war im bierzeltähnlichen, dämmrigen Gastraum des Hirschgartens alles wie geplant verlaufen. 176 stimmberechtigte Mitglieder des Kreisverbandes hatten sich eingefunden, vor allem um ihren Vorstand neu zu wählen. Der bisherige Vorsitzende, der Nürtinger Thaddäus Kunzmann wurde mit 162 Stimmen (95 Prozent) in seinem Amt bestätigt, ebenso seine Stellvertreter Ulrich Bauer aus Deizisau (161 Stimmen, 95 Prozent) und der Aichwalder Volker Haug (141 Stimmen, 83 Prozent). Zudem wählten die Mitglieder in den Vorstand  diverse Beauftragte, wie Öffentlichkeitsarbeiter und Schatzmeister, sowie zehn Beisitzer, von denen Dagmar Ebinger aus Leinfelden-Echterdingen und Karin Pflüger aus Esslingen erstmals dabei sind.

Das Führungsgremium erwarten arbeitsame Jahre, stehen doch 2009 die Kommunal-, Europa, Regionalversammlungswahlen und die Bundestagswahl an. Die Ausgangslage der CDU ist laut Kunzmann dabei gut – zumindest in Baden-Württemberg, das wirtschaftlich hervorragend da stehe. Als Hauptthemen der Kommunalwahlen nannte Kunzmann Bildung und Kinderbetreuung. Er betonte die niedrige Arbeitslosenquote im Ländle und schätzte das Bildungssystem als eines der besten ein. „Von Baden-Württemberg lernen, heißt siegen lernen“, sagte Kunzmann in Anlehnung an den Honecker-Spruch über den Sozialismus. Den allerdings will er weder im Landkreis noch sonst wo sehen. Der Vorsitzende der Linkspartei Oskar Lafontaine sei „der böse Geist der Politik“. Kunzmann rechnet damit, dass die SPD auch auf Bundesebene mit der Linken zusammen arbeiten wird, das zeige Hessen. Für den Bundestagswahlkampf sieht der Kreisvorsitzende Probleme durch die Große Koalition. Die Argumentation werde erschwert, zudem machten sich kleine Parteien breit. Mit Blick auf die Parteikollegen Markus Grübel und Michael Hennrich, die Gewinner der Direktmandate im Landkreis, nannte Kunzmann als Ziel für die Bundestagswahl, „dass der Landkreis Esslingen eine rotfreie Zone bleibt“.

Das wünschte sich auch der baden-württembergischen Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten Wolfgang Reinhardt, der neben dem allgemeinen Lob für den Kreisverband und die Politik in Baden-Württemberg auch auf die Finanzkrise einging. Er sei überzeugt, dass das Handeln der Bundesregierung ohne Alternative sei. „Die Glitzerwelt der Investmentbanker ist vorbei“, meinte er und dass „die Welt nicht mehr so sein wird wie vorher.“ Was nach der Krise zu erwarten sei oder politisch getan werden sollte, blieb unerwähnt. Doch dies trieb offensichtlich viele der Anwesenden um. Gegen Ende des Abends, als mancher schon gegangen war, stellte Peter Schuster von der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) den Antrag auf Abschaffung der Erbschaftssteuer. Die CDU-Landtagsabgeordnete Christa Vossschulte argumentierte dagegen: „Der Antrag ist gut gemeint, aber er hat eine Kehrseite. Die Erbschaftsteuer macht vier Milliarden aus, davon bekommt Baden-Württemberg 600 bis 700 Millionen. Ich weiß nicht, wie wir den Ausfall ausgleichen sollten.“ Das verfing nicht. „Wir haben gerade 50 Milliarden Euro der Hypo Real Estate zugesagt – also bitte!“, meinte ein Redner und der Antrag ging mit 67 Stimmen durch. Auch der zweite CDA-Antrag, der die Wiedereinführung der Pendlerpauschale forderte, bekam eine Mehrheit. Kunzmann appellierte an die Basis, Maß zu halten: „Man muss auch bedenken, wo das Geld herkommen soll. Stimmt bitte dagegen.“ Dagegen wurde auf riesige Managerabfindungen verwiesen, die offensichtlich in Ordnung seien, aber dem Normalbürger, „der die Leistung bringt“ greife der Staat in die Tasche, meinte einer der Diskutanten. „Dabei müssen wir gerade diese Leute vertreten, sonst haben wir die verraten.“

   

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