„Menschen und Umwelt müssen etwas davon haben“

Altbach: Für den Unternehmer Geistdörfer gehören sozialer und ökologischer Ausgleich zusammen

 

Angefangen hat er vor neun Jahren mit einem Saisonjobber, heute beschäftigt Stephan Geistdörfer zwölf Mitarbeiter. Sozialversicherungspflichtig, in Vollzeit und mit Weiterbildung. Wenn er endlich ein Gelände kaufen kann, um zu erweitern, will der Aichwalder sein Unternehmen CO2-neutral umbauen. „Ausbeutung von Ressourcen und Ausbeutung von Menschen hängen miteinander zusammen“, sagt der Unternehmer. „Für mich war von Anfang an klar, dass dieser Weg nicht zukunftsträchtig sein kann.“

Eßlinger Zeitung 02.01.09
Von Gesa von Leesen

Geistdörfers Firma für Baumpflege, Landschaftsbau und Forstservice sitzt in Altbach. Ein Hinterhof, eine voll gestellte Halle mit den Spinden für die Mitarbeiter und ein etwas heruntergekommenes Büro bilden die Basis. Am Türrahmen klebt ein Che-Guevara-Sticker, im Kühlschrank steht Bionade, in Ikea-Regalen stapeln sich Ordner. „Es ist zu eng geworden und eigentlich für die Kollegen auch nicht mehr zumutbar“, sagt Geistdörfer. Er sucht ein Gelände, um neu zu bauen und um neu einstellen zu können. „Ich brauche Leute.“ Doch das erweist sich als unerwartet schwierig. Er benötigt relativ viel Fläche, auch weil er ein eigenes Biomassekraftwerk bauen will. Schließlich falle bei vielen Arbeiten Holzschnitt an, der könnte doch für den Betrieb genutzt werden: „Mein Ziel ist es, energieneutral zu arbeiten.“ Bei Gesprächen mit diversen kommunalen Verantwortlichen hat der 39-Jährige festgestellt, „dass das Thema Energie und Ressourcenschonung bei vielen zuständigen Stellen noch nicht angekommen ist“. Das lässt den bald zweifachen Familienvater richtig sauer werden. „Wer nicht begreift, dass wir nicht mehr so weiter machen können, wie bisher, verspielt unsere Lebensgrundlage.“

Geistdörfer ist ein Überzeugungstäter. Deswegen zahlt er seinen Beschäftigten auch einen Mindestlohn, der über dem tariflichen liegt. Jobber, die in der Hauptsaison von September bis April dabei sind, bekommen 10,80 Euro die Stunde, Gelernte steigen mit 11,50 ein und steigern sich dann jährlich. Die Mitarbeiter sind gelernte Forstwirte, Fachagrarwirte für Baumpflege, ein Ingenieur ist dabei, ein Fischfachwirt und ein Lehrling. „Wir sind der einzige Betrieb in Baden-Württemberg, der Forstwirte mit Schwerpunkt Baumpflege ausbildet“, sagt Geistdörfer. Er legt Wert auf jährliche Qualifizierungen. „Die zahlt er auch“, erzählt Mitarbeiter Martin Lipps. „Das ist schon in Ordnung.“ Außerdem gebe es gewinnabhängige Prämien und die Ausrüstung sei ausgesprochen hochwertig. „Das muss sein“, findet der Chef. „Unser Job ist schließlich gefährlich.“

Geistdörfer weiß, dass die Löhne nicht Aufsehend erregend sind, aber die Gewinnspannen in der Branche seien es auch nicht. Schwerpunkt der Firma ist die Baumpflege und hier vor allem komplizierte Angelegenheiten. Zum Beispiel wenn die Kollegen auf den zu fällenden Baum klettern müssen, weil man anders nicht ran kommt. Mit der Deutschen Bahn hat Geistdörfer einen Vertrag für Ausforstungen an Gleisen, und für ein gutes Dutzend Kommunen erledigen seine Leute die regelmäßig anfallenden Grünflächenarbeiten. Gerade bei den Grünflächenarbeiten gebe es Schmutzkonkurrenz, erzählt Geistdörfer. „Da werden Leute aus Osteuropa für Hungerlöhne angeheuert.“ Umso zufriedener ist er, dass er sich mit seinen Leuten am Markt durchgesetzt hat. „Die Erkenntnis nimmt zu, dass der Billigste nicht unbedingt der Beste ist.“

Geistdörfer selbst, der aus einer Bauunternehmerfamilie stammt, hat nach einer Maurerlehre Forstwirtschaft studiert. Nach dem Diplom arbeitete er in einem privaten Forstunternehmen in Bayern: „Der Besitzer hat vom Arbeitsamt bezahlte Ungelernte angeheuert, es gab Arbeitsunfälle, der schlechte Lohn wurde auch noch unregelmäßig gezahlt – das hat mich geprägt.“ Auch seine Reisen als junger Mann – ein Jahr Indien, mit dem Rad durch Afrika – machten ihn zu dem, der er heute ist. „Als ich mich entschieden hatte, mich selbstständig zu machen, war von vornherein klar, dass Menschen und Umwelt davon etwas haben müssen.“

 

nach oben

    

Startseite

Aktuelles [Blog]

Textarchiv
Zeitung | PR
Über den Tellerrand

Fotos

Seminare

Vita

Impressum