Hilfe für Kinder und Eltern

Esslingen: Kinder- und Jugendpsychiatrie stets voll belegt – Erweiterung hängt am Förderbescheid

Eßlinger Zeitung 27.04.10 

 

Wenn ein Kind nicht in die Schule gehen kann, weil es Angst hat, angespuckt und so durch Bakterien krank zu werden, braucht es professionelle Hilfe. Seit Anfang des Jahres bietet das die Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum Esslingen. Zehn Plätze gibt es bislang, die dafür neu geschaffenen Räume hat der Eßlinger Architekt Christian Kandzia gestaltet.

Von Gesa von Leesen

„Bislang haben wir immer Klinik-Räume gebaut“, erläutert Klinikums-Geschäftsführer Bernd Sieber. „Und die waren vor allem praktisch. Für die Kinder- und Jugendpsychiatrie wollten wir mehr.“ Hier soll nicht der Krankenhauscharakter im Vordergrund stehen, die Kinder sollen sich wohl fühlen und beruhigen können. In enger Zusammenarbeit zwischen der Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie Dr. Monika Herma-Boeters und Architekt Kandzia entstand ein Farbkonzept, das Räume öffnet und die Kinder leitet. „Mit Farbe kann man Räume höher, weiter, heller machen“, sagt Kandzia. „Man kann Räume stimmen wie ein Instrument.“ Vorgefunden hatte er einen langen dunklen Flur mit davon abgehenden kleinen Zimmern. Es wurden Wände herausgerissen, Fenster vergrößert. Freundliche Farben an Wänden und auf dem Boden strukturieren den ewigen Flur, in die Wände wurden Kreise gesägt. „Wir wollten die Räume offnen, damit man eingebunden ist in die Welt“, so Kandzia. Herma-Boeters hat bereits positive Wirkung auf die Kinder festgestellt: „Die Räumlichkeiten sind sehr entspannend und die Farbgebung steuert auch tatsächlich manches Verhalten.“  

Die zehn Tagesplätze in der Kinder und Jugendpsychiatrie sind erst der Auftakt. Geplant und genehmigt sind 24 vollstationäre Plätze und sechs tagesklinische Plätze. Sieber: „Dafür müssen wir für 9,2 Millionen Euro bauen. Den Förderbescheid vom Sozialministerium dafür haben wir aber noch nicht.“ Würde der heute kommen, wäre die komplette Kinder- und Jugendpsychiatrie Ende 2011 fertig, meint Sieber.

Dass Bedarf dafür besteht, kann Herma-Boeters bestätigen. Die aktuellen zehn Plätze sind stets belegt: Von Kindergartenkindern, die schwer Kontakt aufnehmen bis zu jungen Mädchen, die sich selbst verletzen, extrem aggressiven Jungs und schizophrenen jungen Erwachsenen. Die Patienten halten sich in der Klinik von morgens bis zum frühen Abend auf. Herma-Boeters setzt auf einen stark strukturieren Tagesablauf: Frühstück, Morgenrunde, Schule (in der Klinik), Sitzungen, Mittag, Ruhezeit, Therapien. „Das tut offensichtlich ganz gut“, meint die Klinikleiterin. Dazu kommt die Elternzeit. „Ohne Eltern geht es nicht“, sagt Herma-Boeters. Die müssten lernen, mit ihren Kindern anders umzugehen. „Wir erleben häufig, dass die Kinder keinen Halt haben. Sie schweben mit beiden Beinen in der Luft.“ Wenn Eltern in eine Pendelerziehung verfallen – mal sehr streng, mal sehr nachgiebig – würde das die Kinder verwirren, befindet die Ärztin. Also sei die Arbeit mit den Erziehungsberechtigten enorm wichtig. Durch die relativ lange Aufenthaltsdauer in der Klinik – sechs bis acht Wochen – und dem breiten Ansatz, mit Eltern, Lehrern und auch sozialen Diensten eng zusammenzuarbeiten, würde man nur wenige Patienten wieder sehen, erläutert Herma-Boeters. „Und das muss ja unser Ziel sein.“

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