Im Tunnel zählt vor allem die Sicherheit

Filderstadt: Matten im S-Bahn-Tunnel sollen Vibrationen dämpfen

 

Das Wichtigste ist die Sicherheit. Warnweste, Arbeitsschuhe, Helm und Atemmaske muss jeder, der den S-Bahntunnel in Bernhausen betritt, anziehen beziehungsweise aufsetzen. Zwischen Bernhausen und Flughafen werden derzeit auf 730 Metern Länge Unterschottermatten verlegt. Eine mühsame Arbeit, deren Ergebnis am Ende für weniger Erschütterungen in den Wohnungen der Anlieger sorgen soll.

Eßlinger Zeitung 18.08.09
Von Gesa von Leesen

„Als der S-Bahn-Tunnel fertig war, haben Anwohner über Vibrationen geklagt“, berichtet Martin Schmolke, Sprecher der Deutschen Bahn. Die Erschütterungen der Fahrzeuge setzten sich fort über die Gleise und den Schotter, übertrugen sich auf den Tunnel und seine Umgebung. Dabei habe man als Bahn alles richtig gemacht, versichert DB-Projektleiter Ernst Häfele. „Alles liegt innerhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte. Unterschottermatten, die die Vibrationen auffangen sollen, sind nur teilweise verlegt worden, weil sie nicht überall vorgeschrieben waren. Und wo sie nicht vorgeschrieben sind, da zahlt´s auch keiner.“ Nach vielen Klagen und Gutachten haben schließlich Stadt, Landkreis und Land entschieden, 1,5 Millionen Euro für die Nachrüstung mit den Matten zu bezahlen. Seit dem 4. August ist die Linie 2 zwischen Flughafen/Messe und Filderstadt eingestellt, noch bis zum 12. September müssen die S-Bahn-Fahrer auf sie verzichten.

Nach zwei Wochen Einrichten der unterirdischen Baustelle haben die Mitarbeiter der Gleisbaufirma Spitzke Riebel GmbH & Co. KG aus dem bayerischen Buchloe nun mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen. Vom Flughafen aus startend müssen zunächst Schienen, Schwellen und der Schotter entfernt werden. Mit Besen säubern dann die Arbeiter die Fläche, mit Spezialkleber werden die Matten befestigt, anschließend kommen Schotter, Schwellen, Schienen wieder an ihren Platz. Was sich simpel anhört, ist ein äußerst mühsames Geschäft. Denn es kann immer nur eine Strecke von etwa vier Metern bearbeitet werden. Während ein Zwei-Wege-Bagger (fährt auf Schienen oder auf Reifen) an einem Ende des Sechs-Mann-Trupps Schienen abhebt, wartet auf der anderen Seite der Arbeiter ein Bagger darauf, den Schotter wegzuräumen. Etwa zwei Stunden dauere es, um drei Meter zu schaffen, erklärt Dirk Löbner von der Bauüberwachung der DB.

Er sorgt für die Sicherheit im Tunnel. Hatte man zunächst gedacht, es bräuchte kein extra Belüftungssystem, musste man noch während des Einrichtens der Baustelle feststellen, dass die natürliche Thermik nicht ausreicht. Also wurde ein „riesiger Staubsauger“, wie Löbner es nennt, installiert. Vom Eingang zur S-Bahn führt ein Schlauch von 1,60 Meter Durchmesser über 150 Meter bis zum Tunneleingang, der für die Arbeiten abgeschottet wurde, damit die Belüftung funktioniert. Die alte Luft wird abgesaugt, gefiltert und nach draußen gepustet, neue Luft wird zugeführt. An der Baustelle selbst kontrolliert ein PC die Luftqualität. 20,9 Prozent Sauerstoff enthält die Luft gerade. Löbner: „Unter 16 wäre zu wenig, dann ertönt ein Warnsignal.“ Und alle Anwesenden müssten den Tunnel zügig verlassen. Im Tunnel ist es heiß, den Bauarbeitern läuft der Schweiß von der Stirn. Polier Wolfgang Holtz scheint das wenig auszumachen. Der große Mann mit Schnauzer und kleinem Bauch sieht seinen Job gelassen: „Arbeit ist Arbeit.“ Am Vorabend sei er um acht Uhr von zu Hause – Brottewitz in Brandenburg – abgefahren, um rechtzeitig zum Arbeitsbeginn um 2.30 Uhr da zu sein, erzählt er. Um 14.30 Uhr ende dann die Schicht. Eigentlich seien die Schichten acht Stunden lang, erklärt Dirk Löbner. Dann müssten nämlich die Filter an den Maschinen abkühlen und gesäubert werden. Vier Stunden später starte dann die nächste Schicht. In dieser Nacht allerdings habe man die S-Bahn-Betriebsruhe genutzt, um die beiden Bagger von Echterdingen aus zur Baustelle zu fahren. Ob acht oder zwölf Stunden, Polier Holtz macht seinen Job gewissenhaft. Nach 20 Jahren im Gleisbau weiß er, was auf einer Tunnel-Baustelle vor allem zählt: „Die Sicherheit. Alle Vorschriften müssen genau eingehalten werden.“

 

nach oben

    

Startseite

Aktuelles [Blog]

Textarchiv
Zeitung | PR
Über den Tellerrand

Fotos

Seminare

Vita

Impressum