„Besser als Google“

Von Gesa von Leesen
Parlament Juli 2007

Das gedruckte Wissen der Menschheit wird weltweit zugänglich – eine beeindruckende Idee. Es ist die Idee von Google und neben Begeisterungsstürmen, die sie hervorgerufen hat, stößt sie auch auf Kritik. Wortführer der Google-Weltbibliotheks-Kritiker ist der Chef der französischen Nationalbibliothek Jean-Noël Jeanneney. Mit seiner Streitschrift „Googles Herausforderung. Für eine europäische Bibliothek“ polarisierte er die Fachwelt. Die einen warfen ihm Anti-Amerikanismus vor, andere schlossen sich begeistert an. Jeanneney forderte als Gegengewicht zu einer Google-Bibliothek eine europäische digitale Bibliothek. Frankreich machte sich die Forderung zu Eigen und schob gemeinsam mit Deutschland  entsprechende Initiativen in der EU an. Die Verhandlungen für die EDL (European Digital Library) laufen auf Hochtouren.

Im Winter 2004 hatte der US-amerikanische Konzern Google für Aufsehen gesorgt. Er kündigte an, die Bestände aus fünf US-amerikanischen und britischen Bibliotheken zu digitalisieren und ins Netz zu stellen. Das Projekt soll zunächst 4,5 Milliarden Buchseiten umfassen, zehn Jahre dauern, 200 Millionen Dollar kosten und durch Werbung finanziert werden.

Kurz darauf erschien Jeanneneys kleine Streitschrift. Er wies darauf hin, dass der Konzern Google vor allem das Ziel verfolge, Geld zu verdienen. Eine weltweite Google-Bibliothek werde das verfügbare Wissen amerikanisieren. Angloamerikanische Werke bildeten den Schwerpunkt, zudem bliebe unklar, welche Werke warum in die Liste kommen. Dazu komme womöglich eine Vermischung von Werbung und Inhalt und nicht zuletzt befürchtete Jeanneney, dass eine Vormachtstellung, wie Google sie mit einer digitalen Weltbibliothek erringen könnte, dem freien Zugriff auf das Wissen nicht gerade zuträglich sein werde. Jeanneney appelliert an die Europäer, „sich einer gefährlichen Homogenierung zu widersetzen.“ 

Seine Worte wurden gehört. Eindeutig beflügelten die aus Jeanneneys Kritik hervorgegangenen französischen Initiativen die EU. Die EU-Kommission machte „Digital Libraries“ zu einem Schwerpunkt ihre Programms Informationsgesellschaft 2010, das zum Ziel hat, bis 2010 über die EDL mindestens sechs Millionen Bücher, Fotos, Filme, Manuskripte im Internet zugänglich zu machen. Als organisatorisches Vorbild gilt TEL, the european library (www.theeuropeanlibrary.org), eine Initiative von 46 europäischen Nationalbibliotheken, die das Projekt selbst finanzieren und das von der Deutschen Nationalbibliothek koordiniert wird.  Europeana (www.europeana.eu) ist eine Initiative der Franzosen, deren Oberfläche als Vorbild für EDL gilt.

Bis die EDL steht, wird sicher noch einige Zeit ins Land gehen, meint Ute Schwens, die ständige Vertreterin der Präsidentin der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt. „Erstmal müssen die Institutionen in die Lage versetzt werden, ihre Materialien einzustellen.“ Zunächst werde es also vor allem um Technik gehen. „Doch dann“, so Schwens, „wäre es besser als Google, wo Sie mit Informationen  zugeschmissen werden. Sie werden zielgerichtet suchen und finden können. Zum Beispiel bekommen Sie zu einem Buch gleich Archivmaterial geliefert. Wenn das gelingt, wäre das doch Klasse.“ (gvl)

 

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