„Auch Männer haben Rechte“
Trottwar 3/2009
„Auch Männer haben Rechte“ – mit diesem Satz hat der Eßlinger
CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel vor drei Jahren im Reichstag
für einige Furore gesorgt. Dabei habe er das überhaupt nicht
provokant gemeint, versichert der 49-Jährige bis heute. Grübel ist
für seine Fraktion Berichterstatter für den Komplex Gleichstellung.
Gesa von Leesen wollte von dem Abgeordneten wissen, wo er
Gleichstellungsdefizite bei Männern sieht.
Warum kümmert sich in der CDU-Bundestagsfraktion ein Mann um
das Thema Gleichstellung?
Grübel: Ein Mann und eine Frau! Wir sind zu zweit. Beide sind
wichtig, denn die Sichtweisen von Männern und Frauen können stark
voneinander abweichen. Außerdem finde ich, dass die
Gleichstellungspolitik in den vergangenen 20 Jahren eine Spielart
der Frauenpolitik geworden ist. Stets ging es um die Sicht der Frau.
Aus dieser Ecke muss die Gleichstellungsfrage raus, wir müssen beide
Geschlechter im Blick haben.
Dass Frauenpolitik sich relativ erfolgreich etablieren
konnte, lag daran, dass Frauen aktiv dafür gekämpft haben. Das
Bedürfnis von Männern, ihre Interessen so konsequent zu Gehör zu
bringen, scheint nicht sehr groß oder?
Männer tun sich schwer damit, ihre Rechte durchzusetzen. Das
wäre ja ein Eingeständnis, dass es Defizite gibt. Da steht das
tradierte Rollenverständnis den Männern entgegen.
Wo sind Männer denn nun benachteiligt?
Eines der extremsten Beispiele findet sich beim Thema Gewalt. Da
wird fast ausschließlich über Gewalt gegen Frauen diskutiert. Dabei
gibt es auch Gewalt gegen Männer und die leiden häufig viel stärker
darunter, als man gemeinhin glaubt. Wer aber sagt, dass seine Frau
ihn schlägt, wird schnell für ein Weichei gehalten. Wohin sollen
diese Männer sich wenden? Es gibt kein spezialisiertes Angebot.
Sollen Sie zur Frauenbeauftragten gehen, die ja eigentlich eine
Gleichstellungsbeauftragte ist? Das werden sie kaum tun. Da kann es
schnell passieren, dass diese Männer von zu Hause abhauen, weil sie
es nicht mehr aushalten und in der Obdachlosigkeit landen.
Haben Sie nun eine Initiative gestartet, um flächendeckend
Männerhäuser zu etablieren?
Nein. Ich glaube auch, wir sind noch nicht so weit, dass ein
solches Anliegen ernst genommen würde.
Wo haben Männer Ihrer Ansicht nach denn noch Nachholbedarf?
Deutlich wird das bei den Berufen. Warum gibt es kaum männliche
Erzieher und Grundschullehrer?.
... vielleicht wegen der schlechten Entlohnung trotz hoher
Qualifikation?
Vielleicht. Jedenfalls hat das Bundesfamilienministerium – und
ich bin ja im Familienausschuss – das Projekt gestartet „Männer in
der Ausbildung zum Erzieher“. Ziel ist, herauszufinden, was wir tun
können, um mehr Jungs in diese Ausbildungen zu bekommen. Wir
brauchen gerade für die kleinen Kinder mehr männliche Vorbilder. Es
gibt ja zunehmend Kinder, die bei der alleinerziehenden Mutter
aufwachsen. Wenn sie dann auch im Kindergarten und der Grundschule
nur Frauen erleben, fehlt ihnen was. Aber in Schulen müsste noch
mehr für Jungs passieren.
Was meinen Sie?
Schulverweigerung, Schwänzen und Abbrechen ist leider ein
Jungs-Thema. Wir müssen uns da intensiver um die jungen Kerle
kümmern. Zumal wir alle brauchen, wir können keinen durch den Rost
fallen lassen. Leider haben wir hier noch keine konkrete Initiative,
auch weil Schule ja Länderangelegenheit ist.
Sehen Sie noch weitere Defizite in der Politik fürs
männliche Geschlecht?
Ja, wir haben immer noch keinen Männer-Gesundheitsbericht. Dabei
wäre das dringend notwendig, denn das Gesundheitsbewusstsein von
Männern ist deutlich schlechter als das von Frauen. Männer
verschleppen Krankheiten, gehen seltener zur Vorsorge, leben
ungesund – beim Rauchen, Alkohol und Bewegungsmangel haben sie die
Nase vorn.
Wie wollen Sie diesen Bericht Realität werden lassen?
Zum Beispiel, indem ich in Gesprächen mit Ministerin Ursula von
der Leyen das Thema immer wieder angehe. Klar, eigentlich gehört´s
ins Gesundheitsministerium von Ulla Schmidt. Aber ich habe durch
meine Ausschusstätigkeit und natürlich durch die Partei einen
besseren Draht zur Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend, das ist nun mal so.
Es gibt inzwischen organisierte Gruppen von
Scheidungsvätern, die sich in punkto Sorgerecht benachteiligt
fühlen. Sehen Sie das auch so?
Die Gerichte bevorzugen in dem Punkt eindeutig die Mutter. Das
hat sich über die Jahrzehnte so entwickelt. Leider ist es so, dass
das Umgangsrecht mit den Kindern oft als Druckmittel eingesetzt
wird, damit die Männer in anderen Punkten nachgeben. Wir schauen bei
jeder Gesetzesänderung genau hin, ob die Interessen der Väter
gewahrt werden und thematisieren diesen Umstand immer wieder, damit
bei den Gerichten der Vater im Auge behalten wird. Da kann man auch
nicht alles per Gesetz regeln, weil es schließlich um private
Auseinandersetzungen geht. Aber Bewusstsein schaffen kann man.
In der Debatte um das Gesetz zum Vaterschaftstest vor etwa
zwei Jahren haben Sie sich stark engagiert. Haben Sie etwas
erreicht?
Ich habe zumindest geholfen, das Gesetz zu ändern. Ursprünglich
war vorgesehen gewesen, dass Väter den Test nicht ohne Einwilligung
der Mutter machen lassen dürfen. Nun können Väter, aber auch Mütter
und Kinder, ihren Anspruch auf diesen Test notfalls per
Gerichtsbeschluss geltend machen.
Interessiert das Thema Gleichberechtigung eigentlich auch
die Bürgerinnen und Bürger in Ihrem Wahlkreis, also vor Ort?
Weniger. In der Kommunalpolitik ist der ideologische Ansatz ja
auch dem Pragmatismus gewichen. Ich denke, da sind die meisten Leute
in ihrem Alltag schon weiter.
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